Ölkürbis

Bestäubungsmanagement im Ölkürbisanbau

Steirischer ÖlkürbisDie Blüte des Ölkürbisses ist getrenntgeschlechtlich und einhäusig, der Pollen ist relativ schwer. Daher ist Fremdbestäubung durch Insekten für einen Fruchtansatz unerlässlich. Die Bestäubung von Kürbis erfolgt in erster Linie durch Bienen, selten durch andere Blütenbesucher. In Österreich gibt es etwa 700 Bienenarten. Dazu zählen Honigbienen, Hummeln und die sogenannten „Wildbienen“. Von diesen Bienenarten kommen allerdings aufgrund ihrer Flugzeit und Ernährungsweise nur wenige für die Bestäubung von Kürbis in Betracht, in erster Linie Hummeln und Honigbienen. Diese sind auch für die gezielte Bestäubung interessant, da sie in größeren sozialen Verbänden leben und in künstlichen Nistgelegenheiten (Bienenstöcke, Hummelnistkästen) angesiedelt und bedarfsgerecht aufgestellt werden können. Hummeln können je nach Art Volksstärken von 50 bis 500, in Ausnahmefällen 1.000 Individuen erreichen. Honigbienen erreichen zum Zeitpunkt der Kürbisblüte Volksstärken von durchschnittlich etwa 20.000 erwachsenen Arbeiterinnen, wovon etwa ein Drittel Sammelflüge durchführt und daher für die Bestäubung von Kürbisblüten relevant ist.

Blütenbiologie

KürbisblüteKürbisblüten sind bekanntlich lediglich am Vormittag (Sonnenaufgang bis Mittag) geöffnet. Die männlichen Blüten öffnen und schließen sich etwa eine halbe Stunde vor den weiblichen Blüten. Dementsprechend erreicht die Besuchsfrequenz an männlichen Blüten ihr Maximum etwa 1 Stunde früher als bei weiblichen Blüten. Weibliche Blüten produzieren allerdings mehr Nektar und werden insgesamt öfter von Honigbienen angeflogen, als die zahlenmäßig überlegenen männlichen Blüten. Die Keimfähigkeit des Pollens sinkt innerhalb von 24 h drastisch, weshalb eine Übertragung des Pollens relativ rasch nach der Öffnung der Blüten erfolgen sollte. Die Bestäubung dürfte somit am frühen Vormittag am effektivsten sein. Die Anzahl der gebildeten Samen steigt mit der Anzahl der Blütenbesuche bzw. der übertragenen Pollenmenge. Parthenokarpie (Fruchtentwicklung ohne Befruchtung) kommt zwar bei manchen Kürbis-Arten vor, hat aber bei unseren wirtschaftlich genutzten Ölkürbis-Sorten keine Bedeutung.

Bestäubungsmanagement

Kürbis männliche BlüteWissenschaftlichen Studien über die Ertragssteigerung durch die Verwendung von Hummel- oder Honigbienenvölkern liefern widersprüchliche Resultate. Dies ist vor allem auf die unterschiedlichen experimentellen Bedingungen, zum Teil aber leider auch auf die schlechte Qualität der zugegebenermaßen schwierig zu designenden Studien selbst zurückzuführen. Die wenigen ernst zu nehmende Arbeiten zu diesem Thema, die überwiegend in den USA durchgeführt wurden, deuten zwar darauf hin, dass bei ausreichen großer Anzahl und gleichmäßiger Verteilung von Bienenvölkern eine signifikante Ertragssteigerung zu erwarten ist. Eine oft zitierte Studie berichtet etwa von einer Steigerung des Fruchtansatzes von durchschnittlich 6 auf 64% und eine Steigerung der Samen pro Frucht von durchschnittlich 273 auf 366 infolge einer Steigerung der Blütenbesuche durch die Honigbienen von 1 auf 12 pro Blüte. Man sollte solche, aus dem Zusammenhang gerissene Zahlen allerdings mit Vorsicht genießen. Es ist fraglich, ob diese Resultate unmittelbar auf heimische Kulturen zu übertragen sind. Unterschiede liegen vor allem in der natürlichen, regionalen Bienenfauna, in der Konkurrenzsituation mit anderen Blütenpflanzen und in der Tatsache, dass diese Untersuchungen in der Regel die Entwicklung der Frucht und nicht der Samen berücksichtigen. Die Durchführung von genaueren Untersuchungen, die auch die Wirtschaftlichkeit solcher Managementmaßnahmen berücksichtigen, wäre für Österreich angesichts der zunehmenden Bedeutung dieser Kultur (Zunahme der Anbaufläche um ein 7-faches in den letzten 20 Jahren, Wert von mehr als 70 Mio. € auf der Basis der Erzeugerpreise im Jahr 2014) jedenfalls zu empfehlen und finanziell verkraftbar. Zu den Faktoren, die über einen Zeitraum von mehreren Jahren zu untersuchen wären, zählen (a) die Rolle der vorhandenen Bienenpopulation, (b) die Konkurrenz mit anderen Pollen und Nektarquellen, (c) der Zusammenhang zwischen Bienendichte und (Samen-)Ertrag, (d) die Witterungsabhängigkeit der Bestäubungsleistung sowie (e) die optimale Positionierung der Bienenvölker auf den Schlägen.

Honigbiene

Kürbis weibliche BlüteFür die Honigbiene (Apis mellifera) werden in der Literatur für eine optimale Bestäubung Werte angegeben, die von 1 bis 12 Völker pro ha reichen. Im Durchschnitt geht man von einem Bestand von 4 Völkern pro ha aus. Ertragsschwankungen bei Kürbis werden bisweilen auf unzureichende Bestäubung durch die Honigbiene zurückgeführt. Vermutet wird, dass diese bei ungünstigen Witterungs- bzw. Standortbedingungen (Regen, Trockenheit, zu hohe oder zu tiefe Temperaturen) keinen ausreichenden Bestäubungserfolg gewährleistet, aber auch, dass attraktivere Nektarquellen die Honigbienen vom Befliegen der Kürbisblüten ablenken. Dazu gibt es allerdings keine gesicherten Daten. Die Erdhummel fliegt bei einem direkten Vergleich mit der Honigbiene zwar wesentlich mehr Blüten pro Zeiteinheit an und führt ihre Sammeltätigkeit auch bei ungünstigen Wetterbedingungen durch. An und für sich sollten die Witterungsbedingungen, die zur Zeit der Kürbisblüte vorherrschen, aber kein Hindernis für eine optimale Bestäubung durch die Honigbiene darstellen. Zudem erreichen Bienenvölker wesentlich größere Bestandsdichten an Bestäuberinnen. Vom organisatorischen Standpunkt ist der Einsatz von Honigbienen einfacher als der Einsatz von Hummeln. Deswegen gelten Honigbienen nach wie vor als wichtigste Bestäuberinnen von Kürbis.

Hummeln

koppert-tripolKürbis wird auch von Hummeln, etwa von der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) oder der Gartenhummel (Bombus hortorum) bestäubt. Für die Dunkle Erdhummel wird eine Bestandsdichte von 1 bis 5 Völkern pro ha genannt. Unter natürlichen Bedingungen nisten beide Hummelarten unterirdisch, in verlassenen Mäuse- oder Maulwurfnestern, aber auch oberirdisch. Gartenhummel errichten ihre Nester beispielsweise auch in Gebäuden, Vogelnistkästen oder hohlen Bäumen. Beide Hummelarten sind im Hinblick auf die Ernährung nicht wählerisch. Ihr Nahrungsspektrum entspricht mehr oder weniger dem der Honigbiene. Ein, je nach Volksstärke ausreichendes und vor allem kontinuierliches Angebot an Pollen und Nektar von März bis Juli im Flugradius dieser Völker (einige hundert Meter, maximale Flugdistanzen über 1.5 km) ist jedoch notwendig, da Hummelvölker keine umfangreichen Vorräte anlegen. Auf diese Bedürfnisse und natürlich auf Vorsicht im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln ist einzugehen, wenn man den natürlichen Bestand sichern will. Die erwähnten Arten können prinzipiell in Nistkästen angesiedelt und vermehrt werden. Es bedarf allerdings einiger Erfahrung und eines gewissen Zeitaufwandes, um Nistkästen verlässlich zu besiedeln. Die Dunkle Erdhummel ist im Handel für die Bestäubung im Freiland erhältlich.

Solitärbienen

Die Rote (Osmia bicornis) bzw. Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) eignen sich nach Angaben eines Vermehrungsbetriebes für die Bestäubung von Kürbis. Eine optimale Bestandsdichte wird allerdings nicht genannt. Als natürlicher Blütenbesucher kommt diese Art nicht in Frage, da ihre Flugzeit mit der Blütezeit von Kürbis nicht übereinstimmt. Durch Lagerung der Kokons bei Kühlschranktemperatur kann der Schlüpfzeitpunkt jedoch auf die Blüte abgestimmt werden. Die Squash bee (Kürbisbiene, Peponapis pruinosa) ist eine Bestäuberin aus dem ursprünglichen Verbreitungsgebiet des Kürbisses (zentrales und südliches Nordamerika) und wird in den USA für ihre Eignung im der gezielten Bestäubung von Kürbis getestet. Von einem Import dieser Bienenart zum Zweck der Bestäubung ist aus ökologischen Gründen allerdings abzuraten.