Wissenswertes

Einführung

NestingUnitWenn wir über Bienen sprechen, denken wir gewöhnlich an Honigbienen. Nur wenige Menschen wissen, dass es weltweit über 20.000 Arten gibt, die zur Familie der Apidae gehören. Davon kommen in Österreich wahrscheinlich über 650 Arten vor. Zu dieser Gruppe gehört unsere Honigbiene ebenso wie die Hummeln und die sogenannten 'Wildbienen', zu denen man eigentlich auch die Hummeln zählt und die man im deutschen Sprachraum so bezeichnet, um sie als wild lebende Arten von der einzigen in Europa vorkommenden 'Haustierart' in dieser Gruppe, der Honigbiene, abzugrenzen. Allen diese Arten ist gemein, dass sie sich selbst und auch ihre Nachkommenschaft ausschließlich von pflanzlichen Produkten, wie Nektar, Pollen und manchmal auch Ölen ernähren und die dafür notwendigen Transporteinrichtungen (z.B. Honigmagen, und Körperbehaarung) besitzen.

Lebensweise

OsmiaApisDie meisten Bienenarten pflegen eine solitäre Lebensweise. Das bedeutet, dass die Weibchen den Bau der Nester, die Verproviantierung der etwa 10-30 Brutzellen mit Pollen und Nektar und die Eiablage ganz alleine, ohne Mithilfe von Artgenossinnen erledigen. In der Regel lebt die Mutter nur 5-11 Wochen und stirbt, noch bevor ihre Nachkommen geschlüpft sind. Letztere überdauern den Winter meist als Larven, seltener als Puppe oder als voll entwickeltes Insekt in den Brutzellen und schlüpfen in unseren Breiten, je nach Art, zwischen Ende Februar und August, um einen neuen Lebenszyklus zu beginnen. Nur selten erscheinen die Nachkommen noch im selben Jahr und durchlaufen eine zweite Generation. Anders als bei Termiten, oder den den Bienen nahe verwandten Faltenwespen und Ameisen gibt es nur wenige soziale Bienenarten. Manche benutzen etwa ein gemeinsames Nest, oder zumindest einen gemeinsamen Nesteingang, engagieren bisweilen auch eine Kollegin, die diesen Eingang bewacht, übernehmen die Aufzucht der Nachkommen aber noch selbst. Bei anderen Arten benützen Geschwister zwar ein gemeinsames Nest, arbeiten auch in der Brutpflege zusammen, legen ihre Eier aber selbst. In höher entwickelten Gemeinschaften kommt es auch zu einer Arbeitsteilung zwischen eierlegenden und pflegenden Geschwistern der gleichen Generation. Aber nur bei ganz wenigen heimischen Bienenarten, etwa manchen Schmal- und Furchenbienen, Hummeln, oder eben unserer Honigbiene, findet man die höchste Stufe des Sozialverhaltens verwirklicht: Hier arbeiten Artgenossinnen mehrerer Generationen in Kolonien gemeinsam an der Aufzucht der Brut und der Erhaltung der Kolonie. Die Nachkommen stammen in diesem Fall von einem einzigen oder einer kleinen Anzahl von Weibchen ab, die sich in ihrem äusseren Bau mehr oder weniger stark von den übrigen Weibchen unterscheiden. Die Kolonien der meisten heimischen Arten bestehen gewöhnlich nur eine Saison. Nur wenige überwintern und überdauern mehrere Jahre.

Lebensräume

StreuobstwieseBienen sind in der Regel wärmeliebende Insekten. Dementsprechend besiedeln sie vorwiegend warme und trockene Lebensräume. Voraussetzung für das Vorkommen einer Wildbienenart in einem bestimmten Gebiet ist neben den klimatischen Verhältnissen das Vorhandensein der bisweilen artspezifischen Nahrungspflanze(n) und einer für jede Art charakteristischen Nistgelegenheit. Manche Arten benötigen auch Fremdmaterialien zum Nestbau. Bienenreiche Lebensräume sind beispielsweise extensiv genutzte Trockenrasen, breite Wald- und Heckensäume, Kahlschläge mit Naturverjüngung, Flussauen, Sand-, Kies- und Lehmgruben, längere Zeit brach liegende Flächen in Städten, kleinraumig strukturierte Weingärten, Obstgärten mit extensiver Wiesennutzung, blütenreiche Wegränder und Naturgärten.

Nistweise

OsmiaClayEtwas mehr als die Hälfte der in Mitteleuropa heimischen Bienenarten nistet, ebenso wie ihre nächsten Verwandten aus der Gruppe der Grabwespen, in selbstgegrabenen, wenige Zentimeter bis zu einem Meter tiefen Gängen in schütter bewachsenem, mehr oder weniger stark verdichtetem Erdreich oder an Steilhängen. Zu dieser Gruppe gehören etwa die Sand-, Furchen- und Schmalbienen. Etwas weniger als ein Fünftel der heimischen Bienenarten nimmt für die Anlage der Nistplätze bereits vorhandene Hohlräume (hohle Pflanzenstengel, Frassgänge und Spalten in Holzstümpfen, Spalten in Trockenmauern, (Lehm-)Mauern und Felsen, Risse in Holzpfosten, Erdlöcher und -gänge bis hin zu hohlen Baumstämme und kleine Felshöhlen) in Anspruch. Zu dieser Gruppe gehören etwa die Honigbiene, Hummeln und Mauerbienen. Diese Arten können in der Regel in Nisthilfen (den sogenannten 'Wildbienenhotels', Hummelnistkästen, oder Bienenstöcken) angesiedelt werden. Nur etwa ein zwanzigstel aller heimische Arten ist in der Lage, mit Hilfe ihrer Mandibeln Gänge in markhaltige Stengel (Rose, Brombeere, Königskerze, oder Holunder), bzw. in totes Holz zu nagen, um darin ihre Nester anzulegen. Dazu gehören etwa bestimmte Keulhornbienen, oder Holzbienen. Etwa ein Viertel aller Bienenarten schliesslich baut überhaupt keine Nester. Diese, als 'Kuckucksbienen' oder 'Kuckuckshummeln' bezeichneten Brutschmarotzer legen ihre Eier in die Nester oft nahe verwandter Bienenarten und ernähren sich von den Vorräten, die ihre ungewollte Gastgeberin für sie beschafft hat.

Baumaterialien

leafcutter_nestAls Baumaterialien für die Anlage der Nester werden Körpereigene Sekrete, Fremdmaterialien, oder eine Kombination beider verwendet. Die meisten Bienenarten kleiden die Brutzellen an ihrer Innenseite mit wasserabweisenden Sekreten der im Brustabschnitt befindlichen Speicheldrüse bzw. der Hinterleibsdrüse aus. Hummeln und Honigbienen verwenden für den Bau ihrer Brut- und Vorratszellen bekanntlich Wachs, das ebenfalls an Drüsen des Hinterleibes abgeschieden wird. Beide Substanzen werden mit Hilfe von spezialisierten Strukturen am Hinterleib und an den Beinen, oder mit der Zunge verarbeitet und aufgetragen. Zum Auskleiden und Abtrennen der Brutzellen, zum Verschliessen des Nistplatzes und für den Bau frei stehender Brutzellen findet bei den Bienen eine breite Palette von Fremdmaterialien Verwendung, die für die einzelnen Arten charakteristisch sind. Angefangen von Haaren, Laub- und Blütenblätter, sowie Harz bestimmter Pflanzenarten über Mark- und Holzpartikel bis hin zu Sand, Lehm oder Steinchen wird alles verwendet, das von den Bienen nur irgendwie zum Nest transportiert werden kann.

Ökologische und ökonomische Bedeutung

BeeEtwa drei Viertel aller in unseren Breiten vorkommenden Blütenpflanzenarten werden von Insekten bestäubt (für den Rest zeichnet im Wesentlichen der Wind verantwortlich). In Mitteleuropa stellen die Hautflügler und damit vor allem die Bienen - neben Schmetterlingen, Käfern und Fliegen - gut die Hälfte der bestäubenden Insektenarten. Ihre überragende Rolle für die Bestäubung ergibt sich aber nicht aus der Anzahl der bestäubenden Arten, sondern aus deren Lebensweise. Bienen sind unter den oben erwähnten Insekten die einzigen, die sowohl sich selbst, als auch ihre zahlreichen Nachommen mit Blütenprodukten ernähren. Aus diesem Grund ist die Bedeutung der Bienen für die Bestäubung auch nur sehr schwer zu bemessen. Bienen verrichten jedefalls einen unersetzlichen, über den ökonomischen Wert der Nutzpflanzenbestäubung hinausgehenden ökologischen Dienst. Bestäubung durch Bienen gewährleistet die sexuelle Fortpflanzung für die grosse Mehrheit der Blütenpflanzen und legt damit letztendlich den Grundstein für die Stabilität von Ökosystemen. Es ist wohl kein Zufall, dass der Erfolg der Blütenpflanzen mit der Evolution der Bienen, die vor mehr als 100 Millionen Jahren begann, Hand in Hand ging.

Bestäubung von Nutzpflanzen

OsmiaHatchedIn Europa wird die grosse Mehrheit (84%) aller Nutzpflanzen-Arten, von denen die Bestäubungsart bekannt ist (das sind etwa zwei Drittel der in Europa kultivierten Nutzpflanzen-Arten), von Insekten bestäubt. Dabei entscheidet die Bestäubung einer Nutzpflanze nicht nur über deren Ertrag, sondern wirkt sich auch auf die Qualität (Grösse, Form, Haltbarkeit) der Früchte aus. Und selbst bei an und für sich zur Selbstbefruchtung fähigen Arten bzw. Sorten kann Fremdbefruchtung zu Ertragssteigerungen führen. Nutzpflanzen werden üblicherweise in grossen Monokulturen angebaut. Die natürlich vorkommende Population von Bestäubern reicht in diesem Fall oft nicht aus, um eine optimale Bestäubung zu gewährleisten und es ergibt sich die Notwendigkeit, geeignete Bestäuber zu importieren oder künstlich zu vermehren. Dabei sind manche Arten auf Grund verschiedener Eigenschaften (Anzahl der Blütenbesuche pro Zeiteinheit, Qualität der Bestäubung) besser geeignet als andere. Die Herausforderung besteht deshalb nicht nur in geeigneten Schutzmassnahmen für natürlich vorkommende Populationen von Bestäubern, sondern auch im Auffinden von geeigneten Bestäubern für eine bestimmte Kultur in einem bestimmten Gebiet.

Honigbienen als Bestäuberinnen

honeybeeDabei ist die Honigbiene (Apis mellifera) zweifellos das Insekt, das aufgrund ihrer grossen Volksstärke (bis zu 50.000 Individuen pro Kolonie), ihres Sammelverhaltens Informationsaustausch mit anderen Sammelbienen) und der damit zusammenhängenden Blütenstetigkeit, ihrer polylektischen Ernährungsweise, der langen Flugsaison und ihres weiten Flugradius (circa 2 km) den wichtigsten Beitrag zur Bestäubung von entomophilen Nutzpflanzen in Europa leistet. Allerdings fliegen Bienen nur bei gutem Wetter und sind daher in Gegenden und Perioden mit ungünstigen Witterungsverhältnis weniger verlässlich.

Hummeln als Bestäuberinnen

bumblebeeHummeln (Bombus sp.) haben zwar eine etwas kürzere Flugsaison, fliegen aber bei widrigeren Witterungsverhältnissen als Honigbienen, sind im Gegensatz zu Honigbienen zur buzz-pollination (wichtig bei Nachtschattengewächsen wie Tomate, Melanzane, Paprika und Heindekrautgewächsen wie der Heidelbeere und Preiselbeere) fähig, sind aber im Frühjahr auf Grund der Notwendigkeit, alljährlich eine neue Kolonie zu gründen von geringerer Bedeutung. Seit der Entwicklung einer ganzjährigen Zuchtmethode haben Hummeln einen höheren Stellenwert als Bestäuber von Nutzpflanzen erlangt und haben sich auch in Glashäusern als besser geeignet erwiesen als Bienen, da sie nicht versuchen, die Gewächshäuser zu verlassen, um andere Pollen- und Nektarquellen zu erschliessen und auch leichter dazu zu bewegen sind, Pflanzen die keinen Nektar liefern (wie etwa die Tomate) zu bestäuben.

Andere Bienen als Bestäuberinnen

Bee2Unter den Solitärbienen sind es vor allem die Gattungen Sandbiene (Andrena), Mauerbiene (Osmia) und Pelzbiene (Anthophora), die einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung von früh blühenden Obstpflanzen, zB. Apfel, und möglicherweise auch von Schmetterlingsblütlern liefern. Sie fliegen, ebenso wie Hummeln, bei wiedrigeren Witterungsverhältnissen als die Honigbiene, haben allerdings nur eine kurze Flugzeit (3-4 Wochen), was durch die Aufeinanderfolge von Flugzeiten aufeinander folgender Arten wettgemacht wird. Bauchsammlerbienen sind besonders für Schmetterlingsblütler geeignet, da diese den Pollen üblicherweise an die Körperunterseite abgeben. Einige Wildbienenarten sind auch zur Vibrations-Bestäubung fähig.